Offizielle Stellungnahme der Stadt Karlstadt im ROV B 26n
Im Bürgerbegehren vom 22. August 2010 wurde bestimmt, dass sie sich nur ablehnend äußern kann, und nicht, wie von der Mehrheit des Stadtrates gewünscht, bejahend zur Planung dieser Autobahn. Nur durch die Aktivitäten der Bürgerinitiative wurde verhindert, dass die Stadt Karlstadt im Raumordnungsverfahren ein 'Ja zur Autobahn' als Stellungnahme abgibt. Die Stellungnahme der Stadt Karlstadt im Raumordnungsverfahren B 26n im gesamten Wortlaut:
"Im Vollzug des Bürgerentscheides vom 22.08.2010 lehnt die Stadt Karlstadt die geplante Straßenbaumaßnahme ab und wird alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Bau der B 26n auf ihrem Hoheitsgebiet zu verhindern. Die Unterlagen zu den Bürgerentscheiden sind Bestandteil des Beschlusses.
Nach Kenntnis und Prüfung der Unterlagen des Raumordnungsverfahrens zum Neubau der B 26n vom 11.03.2011 werden folgende Planungsmängel festgestellt:
a) Der Abstand zu den Wohnbauflächen im Wurzgrund beträgt lediglich 300 m. Durch die vorgesehene offene Bauweise der Straße östlich dieser Siedlungsbereiche sind die Bewohner und insbesondere die künftigen Bewohner erheblichen Belastungen durch Abgase und Feinstaub ausgesetzt. Daneben werden auch die Nutzflächen und die Erholungs- und Freizeitflächen belastet.
b) Die Nähe der zweibahnigen B 26n beeinträchtigt erheblich die städtebauliche Entwicklung in Karlstadt, derzeit insbesondere die Realisierung des Wohnbaugebietes „Wurzgrund“ mit ca. 100 Bauplätzen.
c) Die vorgenannten Beeinträchtigungen gelten gleichfalls für die nur 300 m entfernten Wohnbaugebiete „Am Ziegelwinkel“ in Laudenbach; Entsprechendes gilt auch für Heßlar und Stadelhofen.
d) Die Kalt- und Frischluftschneisen im Bereich östlich Wurzgrund werden in ihrer Funktion gestört.
e) Die Erholungsbereiche östlich und südöstlich Karlstadts werden durch die B 26n-Trasse und den Zubringer zur Karolingerbrücke durchschnitten. Die Verbindung der Wohnbereiche mit den Erholungsflächen und zu regionalen Freizeitrouten und sonstigen Wanderwegen wird unterbrochen.
f) Die Wertigkeit oder Qualität der Stadt Karlstadt mit ihrer landschaftlichen Umgebung als Ort der Erholung und des Angebotes an den Feriengast wird geschmälert. Die Bemühungen der Stadt Karlstadt zur Stärkung des Tourismus werden unterlaufen.
g) Der Anschluss Karlstadt-West erwirkt eine Frequentierung mit 6000 Kfz. Dies führt zur Mehrbelastung der beengten Ortsdurchfahrten von Laudenbach und Mühlbach um ca. 1200 Kfz/Tag gegenüber dem Prognosebezugsfall, was einer Verdoppelung des heutigen Verkehrs entspricht. Dies führt zu unzumutbaren Beeinträchtigungen der Anwohner, ihrer Anwesen und der Verkehrssicherheit.
h) Bezogen auf das Schutzgut Mensch wurden im Bereich um Karlstadt – und insbesondere in Heßlar, Laudenbach, Stadelhofen und Wiesenfeld – die zielorientierten Vorgaben für die Straßenplanung für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zum Nachteil abgewogen und bewertet.
Zusammenfassend wird festgestellt, dass das „Schutzgut Mensch“ fehlerhaft abgewogen wurde und deshalb die daraus resultierende Planung im Raumordnungsverfahren abgelehnt wird."
Dazu wurde der Text der Begrünung des Bürgerbegeherns vom 22. August 2010 der Stellungnahme der Stadt Karlstadt, die an die Regierung von Unterfranken gegeben wird, beigefügt:
"Die geplante B26n wird Karlstadt weitaus mehr schaden als nutzen - egal in welcher Variante. Auf der B26n würden täglich etwa 40.000 Fahrzeuge in unmittelbarer Nähe an Karlstadt und seinen Stadtteilen vorbeifahren. Besonders Laudenbach, Heßlar sowie viele Neubaugebiete würden erheblich durch Lärm, Abgase und Landschaftszerschneidung geschädigt. Diese Nachteile sind sicher, die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen mehr als fraglich. Der weitaus größte Teil des Verkehrs wäre zusätzlicher Transitverkehr. Unsere Region braucht zeitnahe, sinnvollere Verkehrslösungen. Der Zubringer direkt hinter dem Saupurzel würde wertvollste Naherholungs- und Naturschutzgebiete zerstören. Die zu erwartende Bauunterbrechung (Bauende?) bei Karlstadt kann nur zum Verkehrschaos führen. Für den Verlust unserer Lebensqualität sollen wir Steuerzahler auch noch 500 Millionen Euro zahlen ? !"